Ergebnisorientiertes Rückenmanagement
Zusammenfassung
Im Management von Rückenschmerzen zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab. Aus zwei Gründen sind die bisherigen Therapiekonzepte problematisch: Erstens existieren seit mehreren Jahren zunehmende Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Studien, die das tradierte Krankheitsverständnis als überholt darstellen. Zweitens zwingt der Kostendruck im Gesundheitswesen dazu, die im Ergebnis schlechte Versorgung – hohe direkte Behandlungs-kosten und immense sozialmedizinische Auswirkungen – nachhaltig zu verbessern. Ausgangspunkt dieses Paradigmenwechsels ist ein breiteres Verständnis des Problems „Rückenschmerz“ und die Abkehr von eindimensionalen statischen Krankheitsmodellen. Erst die Einteilung aller Rückenschmerzpatienten in die Dimensionen „spezifisch-unspezifisch“ und „akut – subakut – chronisch“ ermöglicht unter Berücksichtigung der Risikofaktoren und des Chronifizierungsgrades eine gestufte und ergebnisorientierte Therapie.
Im März 1999 hat sich in Hamburg eine Bundesarbeitsgemeinschaft
chronischer Kreuz-schmerz (BAcK) konstituiert. Es handelt sich um einen
unabhängigen, freiwilligen Qualitätszirkel, der sich zum Ziel gesetzt
hat, ein in Deutschland wissenschaftlich überprüftes und in
Übereinstimmung mit den internationalen Erkenntnissen stehendes Konzept,
das Göttinger Rücken Intensiv Programm (GRIP), qualitätsgesichert in die
allgemeine Behandlungspraxis zu implementieren. Hierzu werden Zugangs-
und Ausschlusskriterien festgelegt, Methoden und personelle
Voraussetzungen sowie Qualifikation der Teammitglieder für die
Durchführung eines nach Ausmaß der Chronifizierung gestuften
Therapiekonzeptes vorgestellt:
Programm 1 zielt auf die Behandlung von Rückenschmerzen
bei arbeitsfähigen Patienten, die nur mäßige psychosoziale
Beeinträchtigungen aufweisen; Programm 2 ist für
arbeits-unfähige Rückenpatienten bzw. Patienten mit deutlichen
psychosozialen Problemen vorgesehen; Programm 3 soll schwer
chronifizierten Patienten vorbehalten bleiben, die mehrere gescheiterte
Behandlungsversuche sowie ausgeprägte psychische Beeinträchtigungen
auf-weisen.
Ziel ist ein indikationsgesteuertes, ergebnisorientiertes Rückenmanagement, das – nach den oben genannten Dimensionen – die Patienten der für sie angemessenen Therapieform zuteilt. Schwerpunkt der Behandlung ist die Rückführung zu einer alltagstauglichen Rückenbelastbarkeit und – bei bestehender Arbeitsunfähigkeit – die Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess. Dieses Vorgehen entspricht den Empfehlungen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) und den aktuellen Empfehlungen der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, Dt. Ärzteblatt 2000).
Es werden weitgehende Festlegungen zum Qualitätsmanagement vorgenommen. Ziel ist eine weitere Verbreitung dieser Methoden an zertifizierten Zentren, die sich dem Vorgehen unter internen und externen Qualitätssicherungsmaßnahmen anschließen. Eine wissenschaftliche Begleitung ist selbstverständlich. Bedarfsweckung und Mengenausweitung werden durch geeignete Maßnahmen und enge Zusammenarbeit mit den Kostenträgern ausgeschlossen.
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